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Who was/is Bill Ramsey ? - CDs, Vinyl LPs, DVD and more


Wenn ich an Bill Ramsey denke, legt sich ein Lächeln auf mein Gesicht.

Keinen Sänger wüsste ich, der mir als Kind mehr Spaß bereitet hat als 'Onkel Bill'. Keiner fällt mir ein, der mir als Steppke und Jugendlichem in nullkommanichts mehr Standards aus Jazz, Blues und Folk nähergebracht hätte als er.

Keiner sonst hatte seine Fernsehpräsenz, seinen anarchischen Humor und seinen Swing-Instinkt.
Mal ganz abgesehen davon, dass keiner außer ihm in einem der typischen Musikfilm-Lustspiele der Adenauerzeit eine echte Hank-Ballard-Nummer sang: Let's Go Let's Go Let's Go!  (nun gut, einer schon: sein Duettpartner Peter Alexander... aber das ist eine ganz andere Geschichte).Wenn man Bill Ramsey den Fernsehmoderator, den Schauspieler, den Allroundkomiker, Freund der Kinder und natürlich auch Bill Ramsey, den Sänger, in den 60er, 70er und 80er Jahren im Fernsehen erlebte, kam man nicht umhin, ihn für einen glücklichen Künstler halten zu müssen.

Immer wieder erhielt er Gelegenheit, neben seinen Hits aus den späten 50ern und frühen 60ern regelmäßig mit seiner ersten und größten Liebe, dem Jazz, per Bildschirm aufzuwarten. Blues, Folk und Country kamen auch nicht zu kurz.
Unvergessen bleibt sein Girl From Ipanema mit Gastgeber Paul Kuhn an der Hammondorgel in 'Paul's Party' – damals, als das Fersehen noch schwarz-weiß war und auf dem Bildschirm noch lustvoll geraucht werden durfte.


Für den sagenumwobenen 'Mann auf der Straße' war Bill Ramsey ganz selbstverständlich ein in der Wolle gefärbter Jazzman, den die Launen von Karriere und Schicksal vorübergehend zum Schlagermann gemacht hatten. Nichts gab es da in den Augen des  Gelegenheits-Jazzpublikums, das man an Bills Doppelkarriere hätte anrüchig finden können. Im Gegenteil: Gerade diese 'Jazzleute' (dehnbarer, aber immer positiv gemeinter Begriff)  machten doch die besten Schlager. Das wusste man von Bill genauso, wie man es von Hazy Osterwald, Bibi Johns, Greetje Kauffeld oder Caterina Valente wusste.

Und war das nicht sowieso die echt amerikanische Masche? Waren Frank Sinatra, Peggy Lee,  Mel Tormé und Al Hibbler, waren Billy Eckstine, Ray Charles, Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan nicht auch swingende Spitzenkräfte, die immer wieder mit kommerziell angelegtem Liedgut auffällig wurden, ohne sich damit wirklich Feinde zu machen?

War Bill Ramsey nicht der Jazzigste von allen? Was war also das Problem?
Der Künstler selbst empfindet dies in der Rückschau ganz anders...

Seine Musikerkumpels aus dem Frankfurter 'Domicile du Jazz' freuten sich mit ihm über seine Triumphe als Schlagersänger. Big Band-Musiker, ganze Top-Jazzorchester gar, spielten gern auf seinen Platten mit. Sie wussten aus eigener Erfahrung, dass man als Berufsmusiker zur Kunstmusik auch eine Brotmusik braucht.
Kein Verständnis aber vermochte die ewige Jazzpolizei für ihn aufzubringen. So wie ihm die Musikerkollegen in der Regel nach einer Jazz Jam Session beim Entspannungs-Bier zum letzten Hit gratulierten, genauso schnitten ihn die spitznasigen Hohepriester der reinen Lehre, die ästhetisch-philosophisch am eigenen Genius geschulten Jazz-Romantiker und die (selbstverständlich  krisensicher fest angestellten) Redakteure von besserem Feuilleton und Spätnacht-Kulturradio.

Die Jazzpolizisten, normalerweise nicht imstande, ein achttaktiges Solo zu hören, ohne in einen stundenlangstundenlangen Diskurs darüber zu verfallen, wie Lennie Tristano es gespielt hätte, mochten sich nicht in Toleranz üben für einen absoluten Profi, der neben seiner Tätigkeit als Unterhaltungskünstler NIE den Jazz aus den Augen verlor, und - ganz wichtig!!! - dessen Jazz auch beim breiten Publikum, wenn es ihn denn zu hören bekam, immer bombig einschlug.

Dies aber interessierte weder den allgegenwärtigen 'Jazz-Papst' aus Baden Baden noch manch ansonsten auf jeden Hochstapler hereinfallenden Scribenten monatlich erscheinender Jazz-Kassiber.
Um es mit dem (mitunter allzu leichtfertig unterschätzen) Orchesterchef Guy Lombardo zu sagen: "Nobody likes us but the people."


Einige Redakteure, Produzenten und Arrangeure wollten dieses doofe Spiel partout nicht mitspielen. Sie glaubten an Bill Ramsey als Jazz-Interpreten mindestens genauso, wie sie Bill Ramsey als Großmeister unter den Schlagerhumoristen schätzten.
Sie kannten ihn von seinem legendären Auftritt beim Deutschen Jazzfestival in Frankfurt 1957,  von Tourneen mit Jazzprogrammen in etlichen Ländern West- wie Osteuropas.


Sie hatten mit ihm Jazzklassiker auf die Bühne gebracht und gemeinsam auch mit Jazz-Arrangements für aktuelle Pop-Hits herumexperimentiert. Sie liebten die musikalische Arbeit mit Bill.
So kam es über die Jahrzehnte, wie schon angedeutet, immer wieder zu Rundfunk-(gelegentlich auch Fernseh-) Produktionen mit großartigen Big Bands und Combos, mit Breitwand-Orchestern, Top-Solisten und auf höchstem Niveau aufbereitetem Spitzen-Material.
Die Arrangeure waren samt und sonders Meister ihres Fachs, u. a. Dieter Reith, Rob Pronk, Paul Kuhn, Peter Herbolzheimer, Dave Hildinger, Jürgen Franke, Joki Freund u.v.a. (siehe Titelliste) – und sie zogen für ihren Bill immer wieder manches Extra-Register.


Das gleiche gilt für die Big Bands, z. B. von Kurt Edelhagen (WDR), Erwin Lehn (SDR), Paul Kuhn (SFB), Dieter Glawischnig (NDR), Rolf-Hans Müller (SWF Baden Baden), HR, Radio Zürich usw. (siehe Titelliste).
Jede einzelne der hier versammelten Aufnahmen aus den Jahren 1958 bis 1999 (ja, richtig gelesen: Musik aus einundvierzig Jahren!) ist ein einziges Hohelied auf einen großen musikalischen Kommunikator – eine Hommage an einen Könner, dem das komplette Spannungsfeld zwischen Spiritual und Swing, zwischen Blues und Bossa Nova, zwischen Boogie und jeweils zeittypischen Balladen der natürlichste Tummelplatz für seine musikalische Selbstäußerung war und, jawohl, noch  i s t.
Denn er ist noch immer da, noch immer aktiv und noch immer ein perfekter Botschafter der großen Songs seiner amerikanischen Heimat. Und natürlich bleibt er der beste Sänger, der je mit einer rotierenden  Propellerfliege im Fernsehen aufgetreten ist.

Wer ihn im Konzertsaal von der Publikumswarte aus sieht, erlebt einen temperamentvollen jungen Mann, den unerklärlicherweise eine schlohweiße Haar- und Barttracht ziert. Wer mit ihm die Bühne teilt, weiß schon vorher: Das wird schwer...

Denn Mr. William McCreery Ramsey aus Cincinnati, Ohio, bleibt einmalig und unerreicht.

Götz Alsmann 

 



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