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Friedrich Hollaender

(18. Oktober 1896 - 18. Januar 1976), Cabaretist

 

Eine grosse Zukunft als Filmregisseur wird Friedrich Hollaender im Februar 1933 von Dr. Kurt London anlässlich der Premiere von `Ich und die Kaiserin´ prophezeit. Er habe das Zeug dazu, ein `Offenbach des Tonfilms´ zu werden. Film und Text atmen noch den Aufbruchgeist der Weimarer Republik: "So wird vielleicht auch einmal der Musikfilm der Zukunft entstehen, dass der Musiker die Zügel des Regisseurs in die Hand nimmt." Zwei Tage später brennt der Reichstag, und der Traum ist vorbei. Erich Pommers durch und durch musikalisches Kino gehört der Vergangenheit an. Seine Hauskomponisten Werner Richard Heymann, Franz Wachsmann und Friedrich Hollaender emigrieren.

 

Drei Jahre zuvor hatten Pommer & Hollaender ihren ersten gemeinsamen Ufa-Erfolg in Berlin gefeiert: `Der blaue Engel´. Nicht den `Beenen´ Marlene Dietrichs war dort Professor Immanuel Rath verfallen, sondern der Sirenenstimme der `feschen Lola´ - und den Tingeltangel-Liedern Hollaenders. Schäbige 3-Groschen-Songs hatte der Cabaret-Tausendsassa der Künstlerin auf den Leib geschrieben, die zum geflügelten Wort werden sollten.

 

"Ich hab´ von Kopf bis Fuss die Liebe abgestellt", juxte man in den frühen Dreissigern. Und die Kritik schrieb über Hollaenders & Marlenes Teamwork: "In diesen Couplets, in der Art, wie sie mit rauher Whisky-Voice und ernster Unverschämtheit vorgetragen werden, ist die Abkehr von jedem überlieferten Kabarettstil vollzogen."

 

Der Wiener Josef von Sternberg und der in Chiswick einem Stadtteil von London, geborene Hollaender waren die Schöpfer von Marlenes cinematografischen und musikalischen Images. Die Stimme aber hat sie sich von ihrer besten Freundin Margo Lion geborgt. Zu hören ist Marlenes dunkle Stimme zum ersten Mal in dem wunderbaren Hollaender-Chanson Wenn ich mir was wünschen dürfte, das sie gleichzeitig mit den Engel-Liedern aufgenommen hat. Ein Seufzer wurde zur Melodie, wie so oft bei Hollaender seit seinen `Schall und Rauch´-Zeiten Anfang der 20er Jahre.

 

Damals hatte das Zirkuskind als Mitglied von Max Reinhardts `Stall´ kongenial Texte von Walter Mehring, Klabund und Theobald Tiger (alias Tucholsky) vertont. Und für seine erste Frau Blandine Ebinger die unsterblichen `Lieder eines armen Mädchens´ geschrieben, als Komponist und Texter. Die Ebinger war auch bei Hollaenders erster Berührung mit dem Kino dabei, in Paul Lenis `Prinz Kuckuck´ von 1919. Der Walzer, den er dafür komponiert hat, fällt selbst dem Kritiker von `Film und Brettl´ auf.

 

Aber erst 1926 wird er wieder eine Kino-Musik schreiben, zu Martin Bergers sozialkritischem `Kreuzzug des Weibes´.

 

Zu dieser Zeit hatte er bereits eine Sonderform der Revue erfunden, die `Revuette´. Am laufenden Band produzierte der `grosse Kleine´, wie ihn Chaplin einmal nannte, zusammen mit Marcellus Schiffer und Moritz Seeler ein Programm nach dem anderen: `Laterna Magica´, `Bei uns um die Gedächtniskirche rum´, `Es kommt jeder dran!´ etc. Und ganz nebenbei spielte er auch noch Klavier bei den Weintraub Syncopators, der `besten Jazzband von Berlin´ laut `Berliner Börsen-Courier´.

 

Wie kein zweiter verkörperte Friedrich Hollaender zu jener Zeit das Berlin der `Goldenen Zwanziger´. Mit Wortwitz, musikalischer Phantasie, Verve und Chuzpe lieferte der Cabaretist, der immer zwischen den Stühlen sass, den `Soundtrack´ zur Weimarer Republik, auch jenseits der Leinwand. Schon 1931 hatte er sein Publikum vor dem Nazi-Spuk gewarnt: "An allem sind die Juden schuld!"

 

Zwei Jahre später begegnet Hollaender im Pariser Exil Marlene wieder: Auf der Leinwand singt sie in `Song Of Songs´ ein Lied, das er einst für Blandine geschrieben hat: Jonny, wenn du Geburtstag hast. Nur Wochen vergehen, und Hollaender landet selbst in Hollywood. Durch die Vermittlung Erich Pommers hat ihm die Fox einen Dreimonatsvertrag angeboten. Nach der Fertigstellung des Lilian Harvey-Musicals `I Am Suzanne!´ wird er entlassen. Arbeitslos, beginnt er mit dem Schreiben an dem Roman, der seine Erfahrungen als Emigrant schildern wird: `Those Torn From Earth´. 1941 erscheint der Roman im Liveright-Verlag New York, über fünfzig Jahre später endlich auch in Deutschland, unter dem Titel `Menschliches Treibgut´.

 

Nach einem erfolglosen Zwischenspiel als Western-Regisseur bei RKO findet er bei der Paramount eine neue Heimat. Bis 1940 ist ihm dort das Glück wieder hold. Als Frederick Hollaender liefert der Hits für Bing Crosby, die `Dschungelprinzessin´ Dorothy Lamour, Deanna Durbin und Marlene. Einige seiner Songs wie Moonlight And Shadows, Whispers In The Dark oder You Leave Me Breathless werden in Amerika sogar zu Evergreens.

 

Die Texte zu seinen Liedern freilich schreiben andere, der `verkappte Poet´ Leo Robin, Ralph Freed und Frank Loesser, der in den Fünfzigern mit `Guys And Dolls´ den Broadway erobern wird. Erst 1948 vertraut auch wieder einer seinen Worten, Billy Wilder, der Marlene noch einmal in den `Blauen Engel´ zurückkehren lässt. A Foreign Affair heisst Wilders Nach-Spiel zum verlorenen Krieg. Bei Black Market, Ruins Of Berlin und Illusions wirdMarlene ein letztes Mal von ihrem treuen Katerkopf Hollaender am Klavier begleitet.

 

Nach über 200 Filmmusiken in Hollywood kehrt er 1955 nach Deutschland zurück. Nachdem er in Trude Kolmans Kabarett `Die kleine Freiheit´ noch einen zweiten Frühling erlebt, verabschiedet er sich wehmütig vom Cabaret: Clown, du hast deine Stellung verloren ... Es war Zeit geworden für seine Spötterdämmerung. Mit einem Cameo-Aufftritt in Wilders `One, Two,Three (Eins, zwei, drei)´ tritt er 1961 von der Leinwand ab. Am 18. Januar 1976 stirbt der Cabaret-Zauberer in München.



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Friedrich Hollaender: Zwischen dem Woher und Wohin
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1-CD with 48-page booklet, 33 tracks. Playing time approx. 79 mns.

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Friedrich Hollaender: Wenn ich mir was wünschen dürfte (8-CD)
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