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Walter Hedemann

"Fein nuancierter Kammerspott" (Hanns Dieter Hüsch)

Der Titel Zwei Knaben hatten eine Fidel erschien auf der 1967 veröffentlichten Liedermachersammlung 'Makaber macht lustig', den 'Der Spiegel' im Januar des darauf folgenden Jahres mit den folgenden Worten etwas herablassend kritisierte: "'Makaber macht lustig', und schwarzer Humor ist der einzige, den man noch kriegt. 'Ist wer zu henken in Paris', beginnt das erste Stück der Sammelplatte, mit '… du bist schon wieder ziemlich albärn' schließt das letzte. Die, was ihren Typ angeht, bald neunzigjährigen Klapphorn-Verse (Zwei Knaben hatten eine Fidel) und eine gewöhnliche Schlager-Parodie (beides von Walter Hedemann passabel vorgetragen) siegen auf diesem Kampfplatz über finstere Volksliedchen, fescheisige Villon-Vorträge und, vor allem, über modefarbene Leichenscherze."

Für das 'Folk-Lexikon' ist der 1932 in Lübeck geborene Walter Hedemann "in der Geschichte der Folk- und Chanson-Entwicklung im kabarettistischen Bereich durch seinen sprachlichen Witz und durch die meisterliche Beherrschung aller satirischen Register eine Ausnahmepersönlichkeit in vielerlei Hinsicht. So entfällt die Möglichkeit der Einordnung als rein bürgerlicher Chansonnier bei Betrachtung der politischen Inhalte seiner Texte ebenso wie – nach seiner eigenen Äußerung – die Zuordnung als politischer Kabarettist."

Nachdem er 1961 während eines Urlaubaufenthalts in Wien den Kabarettisten Gerhard Bronner gehört hatte, begann Walter Hedemann, eigene Chansons zu schreiben. "Als ich ein halbes Dutzend beisammen hatte, knallte ich mir ein Mikrophon aufs Klavier, drückte bei meinem Koffer-Tonbandgerät auf 'Aufnahme', spielte und sang alles herunter – und schickte das Band (Halbspur 8,5 cm), ohne auch nur die Texte beizulegen, an Radio Bremen. Die Unterhaltungsleute dort hörten sich das an (tatsächlich, so ging das damals noch!) und verabredeten dann mit mir einen Produktionstermin." Sein Funkdebüt bei Radio Bremen erlebte Hedemann im Oktober 1963, kurz nachdem Franz Josef Degenhardt dort ebenfalls seinen ersten Auftritt gehabt hatte. Auf dessen Tip lud Diethart Kerbs Hedemann 1965 zum (zweiten) Festival Chanson Folklore International auf die Burg Waldeck ein. "Ich kam hin, zusammen mit meiner Frau und unserem viermonatigen Söhnchen Sebastian (ja: so war dort die Atmosphäre!) – und ich war baff: Nie hatte ich so viele Gitarren auf einem Haufen gesehen. Von der ganzen Folkkultur hatte ich nur am Rande gehört, jetzt war ich davon umzingelt.

Ich kam ja von der bürgerlichen Kabarett-Tradition her (Reutter, Kästner, Tucholsky, Igelhoff), und mein Instrument war das Klavier. Aber, sei es auf der Wiese oder im 'Sälchen', siehe: die Leute tolerierten das nicht nur, sondern waren offen und begeisterungsfähig." Auch in den beiden folgenden Jahren stand der 'singende Studienrat' – Walter Hedemann hatte in Halle Musik und in Berlin Germanistik und Anglistik studiert und ließ sich Mitte der sechziger Jahre als Lehrer in Hameln nieder, wo er auch heute noch mit seiner Familie lebt – beim Waldeck-Festival auf der Bühne, "dann ließ dort die Toleranz nach, Klassenkampf war angesagt". So meinte Rolf-Ulrich Kaiser 1967 – in dem Jahr, in dem Hedemann bei einem 'Sängerkrieg' im Programm von Radio Bremen den ersten Preis vor Hanns Dieter Hüsch und Kristin Bauer-Horn errang – in seiner Veröffentlichung 'Das Songbuch': "Deutsche im treudeutschen Idyll aufzusuchen, sich mit ihnen dort zu verlustieren und gelegentlich zaghafte Kritik anzumelden, genügt das noch? Wenn man die 'kleinen Dinge' besingt, belächelt und die Protesthaltung auf die Formel reduziert, bei Grün nicht über die Straße zu gehen, weil man ja dann einer Staatsverordnung gehorche, macht man sich dann nicht zum Liebediener der Konformität? Narrenfreiheit zugestanden."

Dem entgegnete Hedemann in Kaisers Buch, daß er es gar nicht auf Protest anlege. "Eine ganze Reihe meiner Stücke lebt vom Spiel. Kritisches stellt sich bei entsprechender Thematik von selbst ein – kein Frontal-Protest zumeist, bei dem der Adressat ja ohnehin sofort die Ohren verstopft und die Zugbrücke hochzieht. Sondern Kritisches in gefälliger Gewandung." In den Anmerkungen zu seiner 1975 veröffentlichten Langspielplatte 'Herzlich Willkommen' präzisierte der Klavier spielende Liedermacher sein Selbstverständnis so: "Zum Beispiel bin ich immer schon ein heftig engagierter Verfechter von Zwischentönen gewesen. Das, sagen die einen, gewährleistet eben die komplette Nutzlosigkeit meiner Stücke. Das, sagen andere, verbürgt langfristig Effektivität. Ich will mich da nicht einmischen, ich will noch eben sagen, was mir Angst einflößen kann: ein Publikum, das von mir Lieder zum Mitsingen erwartet – oder lehrerhafte Welt-Deutungen. Lehrer bin ich schon im Hauptberuf. Das reicht."

Und weiter heißt es dort: "Ich kann von manchen Dingen ein bißchen. Ich kann ein bißchen Klavier spielen und Noten zusammenfügen, ich kann ein bißchen Texte herstellen, ein bißchen singen. D. h. ich kann eigentlich nichts richtig." Für das Hermes Handlexikon 'Die großen Chansonniers und Liedermacher' ist das ein "unglaubwürdiges Geständnis" Hedemanns. "Weil er sein Instrument meisterhaft beherrscht, … weil er auch ein Virtuose des Wortes ist, … weil er mit seinen Kompositionen an die große Tradition des deutschen literarischen Chansons in den zwanziger Jahren anknüpfen kann, … unglaubwürdig schließlich, weil er die Musik nicht allein als Vehikel seiner Texte gebraucht, sondern sie auch interpretierend einsetzt, sie aus der Sphäre der bloßen Unterhaltung heraushebt und ihr sinntragende Aufgaben überantwortet."

Nach zwei EPs – 'Na hören Sie mal' und 'Sch(m)erz beiseite' – veröffentlichte Walter Hedemann 1970 seine erste Langspielplatte unter dem Titel 'Unterm Stachelbeerbusch', dem die Titel Wald-Mädel-Sang (für Männerchor) und Steter Trost oder Auch du kannst glücklich sein entnommen sind. Auf dem Albumcover heißt es: "Zum Star fehlt's ihm ein bißchen an der Energie, sich in Szene zu setzen. Für die Schlagerbranche wird er nie Brauchbares leisten. Immer kommt ihm der schnöde Intellekt dazwischen und verätzt die ganze schöne Stimmung. Schlimmer noch: Hedemann ist jener höheren Albernheit fähig, die jede vernünftige Aussage verweigert – verdächtig natürlich für alle Leute mit lauter echten Anliegen im Gesicht."

Im Lauf der Jahre nahm Walter Hedemann weitere Langspielplatten auf, konnte jedoch wegen seines Berufs nie auf längere Tourneen gehen. Allerdings gab es immer wieder einzelne Auftritte sowie Rundfunk- und Fernsehproduktionen für die ARD. Hedemanns letzte CD, der Livemitschnitt eines Konzerts in Hameln, erschien 1999: 'In alter Liebe'.


Auszug aus
Various - Liedermacher in Deutschland
Vol.1, Für wen wir singen (3-CD)
/various-liedermacher-in-deutschland-vol.1-fuer-wen-wir-singen-3-cd.html

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