Who was/is Thirsty Moon ? - CDs, Vinyl LPs, DVD and more

Die Bremer Band Thirsty Moon war eine der vielen deutschen Jazz-Rock-Progressive-Gruppen der frühen 70er-Jahre, die "ihre Fusion-basierte Musik auf ihre ganz eigene Art und Weise veränderten, insbesondere auf ihren ersten beiden Platten, die heute zu Recht als Klassiker des Krautrock-Genres gelten" (ALLMUSIC).


Mitte der 60er absolvierten die Brüder Norbert und Jürgen in der Bremer Beat-Band The Outcasts im Sze- nelokal Lila Eule ihre ersten Auftritte. Da war Trommler Norbert erst 15 Jahre alt. Die Band spielte, in der Besetzung Ingo Szcepanski (g), Günter Burdorf (b) und den beiden Drogies-Brüdern, wie damals üblich, weitestgehend Coverversionen, aber auch teilweise schon erste eigene Songs.
Ende der 60er gründeten die Gebrüder Drogies, mit dem Keyboarder Ranwig und dem Bassisten Claus Peter Pickert (ex-Schröder) das Quartett DRP (Drogies-Ranwig-Pickert). Kurz vor dem Ende der Band kam für Pickert noch Bassist Andreas Helms neu dazu. Nachdem ein Theaterprojekt realisiert worden war, war auch DRP Geschichte und die Brüder gründeten mit Konietzko (ex-Tomorrow Too), Noack, Pape (ex-The Shakespeares) und Ranwig die erste Version von Thirsty Moon.


Der nebenbei noch in einer Werbeagentur arbeitende Willi Pape kannte die englische Bitter-Biermarke Thirsty Moon aus Manchester vom Job her und brachte die Idee für den Bandnamen mit. Irgendwann entdeckten Brüder Drogies in einem Schallplatten- laden das Debütalbum der Hamburger Band Ikarus. Dort war die Adresse von deren Produ- zenten Jochen Petersen abgedruckt. Die Drogies beschlossen Petersen eine Demoaufnahme ihrer Band zuzuschicken. In den nächsten Wochen und Monaten rekrutierte das Brüderpaar dann Bremer Musiker. Das wenig später eingespielte Demo fand offensichtlich das Gefallen von Pe- tersen, denn der vermittelte Probeaufnahmen für das gerade neu gegründete BRAIN-Label der METRONOME, die sehr erfolgreich verliefen. So
wurde die Band von BRAIN unter Vertrag genommen.


Thirsty Moon spielten aus- schließlich Eigenkompositionen und zogen sich im Sommer 1971 zum Proben in ein kleines Wo- chenendhaus im niedersächsi- schen Klein Hollwedel, nicht weit von Bremen, zurück und began- nen ein Jahr später, jetzt durch Michael Kobs zum Septett ange- wachsen, unter der Regie von Jochen Petersen und Conny Plank, mit der Arbeit am selbstbetitelten Debüt. Es war anfänglich "gar nicht so einfach, alle Mitglieder stilistisch unter einen Hut zu bringen. Mein Bruder und ich hatten damals eine Vorliebe für Jimi Hendrix und Traffic und repräsentierten, zusammen mit dem Organisten Ranwig, die 'Rock-Fraktion' in der Band. Die anderen bevorzugten dagegen eine deutlich jazzigere Ausrichtung, angelehnt an die Musik von Soft Machine und Miles Davis. Eine dementsprechende Mischung war auf 'Thirsty Moon' daher auch vorzufinden" (JÜRGEN DROGIES). "Während in Großbritannien Colosseum, If, Keith Tippett, Nucleus die Schrittmacher waren, ließen sich deutsche Bands zur Nachahmung verleiten. Thirsty Moon gehörten mit Sicherheit dazu. Das heraus- ragende dynamische Stück 'Big City' überstrahlte den Rest: Rhythmisch dicht verwoben, wurden mit dem Fender Rhodes-Piano jazzige Sololäufe eingeworfen, dem die Gitarre virtuos folgte. Schade, daß es nur mit dem teutoni- schen Gesang an zu viel 'Denglisch' haperte" (AMAZON).


Kurz vor Aufnahme des zweiten Albums, 'You'll Never Come Back', verließ Keyboarder Ranwig die Band und wurde durch Siegfried 'Pisi' Pisalla (g, voc) (ex-Tomorrow Too) ersetzt. "Auf der Platte erzeugten das E- Piano und das Saxophon ein dichtes Klangbild, das von den vielen Percussions-Instrumenten mit Energie und Rhyth- mus aufgeladen wurde. Nur der Texter hatte wohl einen seiner schwachen Tage" (SOUNDS).


Im Herbst 1973 löste Andreas Helms (b) (ex-DRP, -Tomorrow Too) Harald Konietzko noch ab, aber nach internen Problemen und finanziellen Schwierigkeiten lösten Thirsty Moon sich erst einmal auf. Das hielt Jürgen und Norbert Drogies nicht davon ab, weiter gemeinsam an neuen Stücken zu arbeiten. 1974 spiel- ten die Beiden "im Boccaccio-Studio in Bremen ein neues Album ein. 'Blitz' war der Name des neuen Projekts, doch lehnte ihre Plattenfirma BRAIN die LP ab. Ein Jahr später (inzwischen hatte ein neuer Manager bei BRAIN das Sagen) erschien das Material dann doch noch" (BABYBLAUESEITEN).


Nach dem im Duo eingespielten Reunion-Album 'Blitz' suchten sich die Gebrüder Drogies Mitspieler, um unter dem Namen Thirsty Moon wieder live auftreten zu können. Dabei gab es wechselnde Besetzungen. In der Besetzung Weerasinghe, Weber, Neumann, Norbert und Jürgen Drogies entstand das vierte Album 'A Real Good Time' (1976), bei dem sich die Gruppe um striktere Song-Strukturen bemühte. Die Platte ent- hielt "eine nicht sonderlich anstrengende, aber durchaus gut gemachte und perfekt produzierte Mischung aus Jazz- rock und Mainstreamigem, je nach Stück versehen mit Funkeinsprengseln, Elektronischem oder zurückhaltenden, symphonisch-progressiven Tasteneskapaden" (BABYBLAUESEITEN). 1981 gab es mit dem Album 'Starchaser' einen letzten Anlauf in der Vierer-Besetzung Junior Weerasinghe, Norbert und Jürgen Drogies und der wie- der zurückgekehrte Hans-Werner Ranwig – aber diesmal nur als Leadsänger.

In den 2000ern erschienen noch zwei Live-Alben, die die fruchtbare Vergangenheit von Thirsty Moon ein- gefangen hatten. 2006 kam 'I'll Be Back – Live '75' heraus. Damals hatten sich die Drogies-Brüder mit Gert Lueken (key, voc) und Heinz Sander (b) (beide ex-Train) zusammengetan, um erneut als Thirsty Moon in Live-Besetzung aufzutreten. In dieser Vierer-Formation spielten sie am 29. Mai 1975 in der Lila Eule in Bremen und ließen ein Stereo-Tonbandgerät mitlaufen. In Anspielung auf den Titel des zweiten Albums, 'You'll Never Come Back', nannten sie es 'I'll Be Back – Live '75'. Es waren zugleich die einzig erhaltenen Aufnahmen der Besetzung Lueken/Sander/Drogies/Drogies. 2011 folgte 'Lunar Orbit – Live At Stagge's Hotel 1976', das im April 1976 im Kult-Club Stagge's Hotel (heute Bei Stagges) im niedersächsischen Oster- holz-Scharmbeck (nahe Bremen) aufgenommen worden war. Stagge's Hotel gehörte in den 70ern zum fe- sten Bestandteil der Tourneepläne vieler deutscher und auch internationaler Bands. Zu vergleichen war der Club mit dem Meta in Norddeich, dem Jaguar Club in Bielefeld, dem Grünspan in Hamburg , dem Starpalast in Kiel und vielen anderen Diskotheken mit Live-Musik. Hier tobte damals das wahre Leben vieler Jugendlicher. Im Erdgeschoß die Kneipe, im Saal darüber die Musik. Erst spielte die Band, dann wurde Musik aufgelegt...


Bassist Harald Konietzko trat später bei den Bands Parzival, Association PC, Sperrmüll und La Düsseldorf in Erscheinung. Norbert Drogies ist zwar in der Werbebranche tätig, hatte aber sein Drum-Kit nie einge- mottet. Sein Bruder Jürgen hatte seit 2007 mit seinem Solo-Projekt 'Back To The Moon' mehrere Platten veröffentlicht.


KRAUT! ist ein feiner Krautrock-Querschnitt in vier Ausgaben, regional nach Regionen – Norden, Mitte, Süden und Berlin – sortiert, mit den größten Hits, viel längst vergessener Musik und den wichtigsten Songs.
Burghard Rausch

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