Who was/is Parzival ? - CDs, Vinyl LPs, DVD and more

Parzival

Die Klassik-Rock-Gruppe Parzival gehörte zwischen 1970 und 1973 zu jenen deutschen Formationen, die versuchten, sich von den übermächtigen angelsächsischen Vorbildern zu lösen. Neben Ougenweide war Parzival, benannt nach dem mittelalterlichen Epos von Wolfram von Eschenbach (ca. 1160/80 - ca. 1220), eine der "wenigen deutschen Bands, die den Pfaden britischer Gruppen wie Gryphon folgten und die mittelalter- liche Folklore als Basis für die verfeinerte progressive Musik nutzten" (COSMIC DREAMS). Dazu mischte die Gruppe aus dem niedersächsischen Lilienthal an der Bremer Stadtgrenze, "Pop, Avantgarde, klassische und mittelal- terliche Musik, zu einer ausgewöhnlichen Mixtur" (DISCOGS). Bis heute gelten die Originale der beiden Alben 'Legend' (1971) und 'Ba-Rock' (1973) bei Sammlern als Juwel – mit einem Kurswert von bis zu 500 €.

Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre entstand nicht nur in Deutschland eine Vielzahl junger Bands. Mit den gesellschaftlichen Veränderungen, die die 68er-Revolte in Gang gesetzt hatte, veränderte sich auch die Musikszene. Im beschaulichen Lilienthal wuchs eine Gruppe heran, die mit ihrer Musik ebenfalls er- folgreich Neuland betrat. 1965 hatten Lothar Siems und Thomas Olivier, die sich seit Anfang der 60er aus der Bremer Oberschule Am Barkhof kannten, die Beat-Band Chamberlains gegründet. In der Schule lern- ten sie Walter Quintus aus dem Bremer Ortsteil Harpstedt kennen, der als Geiger aber nicht so recht zum Sound der 60er zu passen schien.

1967 formierten Siems und Olivier gemeinsam mit dem Violinisten Walter Quintus und wechselnden Cel- listen das Quintus Quartett. Die Drei entwickelten einen Stil, der "damals einzigartig war. In England expe- rimentierten Bands wie The Nice, Moody Blues oder Procol Harum vorsichtig mit klassischen Einflüssen, aber eine Rockband die zur Hälfte aus Streichern bestand, gab es noch nirgendwo anders auf der Welt" (WESER KURIER). 1971 kam dann die Umbenennung nach dem keltischen Gralsritter, in Parzival, und ein Plattenvertrag mit TELDEC. Kontakte mit den Beatles Ringo Starr und George Harrison brachten Empfehlungsschreiben, und Muff Winwood (ex-Spencer Davis Group) von ISLAND RECORDS bescheinigte der Band außergewöhnli- ches Talent. "The next big group in the world will come from Germany and I think Parzival would stand a good chance of making it" (WINWOOD).

Erst im Herbst 1971 kam es mit dem legendären deutschen Ausnahme-Produzenten Conny Plank im Ham- burger Star Music Studio zu den Aufnahmen zum Debütalbum 'Legend'. Die Kritiken waren recht einhellig: "Klassik, Jazz und Rock verschmolzen zu einem überzeugenden Sound" (BASLER ZEITUNG), "Klangschlösser von dis- kreter Eleganz und Schönheit" (FAZ), "Ideenvielfalt, die ihresgleichen sucht" (KÖLNER STADTANZEIGER), "Eine vielschichtige Instrumentierung in einer fremdartigen Traumwelt mit geheimnisvollem Hauch" (POP), "Eine der inter- essantesten Gruppen Europas" (MELODY MAKER). Der Deutsche Journalisten-Poll wählte das Album unter die fünf besten Produktionen des Jahres und die 'Ufa-Wochenschau' produzierte den ersten Clip der deutschen Rockgeschichte mit den Titeln Empty Land und Senseless No. 6. Die mit Klassik, Jazz und Rock vertonten Texte handelten allerdings nicht nur von Scheinwelten. Zwar war von "imaginären Rittern die Rede, von einem hoffnungslosen Geist, andererseits hatten aber auch Themen wie das Tagebuch der Anne Frank, der Viet- nam-Krieg oder die allgemeine Gleichgültigkeit, sehr aktuellen Zeitbezug" (ROCKLEXIKON DEUTSCHLAND). Im Stu- dio erhielt das Trio Unterstützung von Joachim Reichhold (cel), Matthias Müller-Menkens (fl, p), und Hans Jaspers (vio).

Im Laufe des Frühjahrs 1972 erweiterten der Cellist Walter von Seydlitz, Bassist Harald Konietzko (ex-Thir- sty Moon, später La Düsseldorf) und Müller-Menkens (als Mat MeMiller) das Rock-Trio zum Sextett. Das zweite Album 'Ba-Rock', das Ende 1972 erschien, wurde wieder von Conny Plank betreut und nach dem gleichen musikalischen Grundkonzept eingespielt.

Die ausgekoppelte 73er Single Stories / Paradise war ein letzter Versuch die Charts zu erobern, aber Ende 1973 gingen Parzival auseinander. "Musikalische und persönliche Differenzen hieß es offiziell, heute würde man wohl eher 'Kinderkram' sagen müssen" (OLIVIER). Danach wollte Olivier nie wieder Musik machen und ab- solvierte eine Redakteursausbildung, gründete seine eigene Presseagentur und schrieb als freier Journalist (für 'Stern', 'Hörzu', 'Die Welt', Tagezeitungen). Musik blieb aber sein journalistischer Schwerpunkt. Später arbeitete er als Verleger, Produzent und Studiomusiker für andere Künstler. 1984 erschien unter dem Namen Olivier Project das Album 'Cat's Eye' und 2000 erschien das Projekt 'David – The Hymn'. Heute lebt Thomas Olivier in Hamburg, wo er auch sein eigenes Studio betreibt.

Zwischenzeitlich hatten Quintus, Siems und dessen Frau Gisela 'Gilla' (+ 2017) Musik für ein außerge- wöhnliches Projekt, die 77er Rock-Oper 'Der Führer' geschrieben. Die drei Komponisten/Texter, die "das Musical in der Auffassung geschrieben hatten, daß deutliche Kritik an Hitler und dem gescheiterten Dritten Reich noch immer notwendig sei, stießen auf Beton. National und international" (BABYBLAUESEITEN). Mitwirkende waren neben Quintus und Siems u.a. Karl Allaut (g) (Udo Lindenberg), Adrian Askew (key) (ex-Atlantis, -Lucifer's Friend), Ian Cussic (voc) (ex-Lake, -Duesenberg), Bertram Engel (dr) (ex-Gebrüder Engel, -Peter Maffay), Peter French (als Joseph Göbbels) (voc) (ex-Atomic Rooster, -Randy Pie), Jean-Jacques Kravetz (key) (ex-City Preachers, -Frumpy, -Atlantis), Neil Landon (als Adolf Hitler) (voc) (ex-Flower Pot Men, -Fat Matress), Ingeborg Thomsen (voc) (ex-Rudolf Rock & Die Schocker) und die englische Musical- Darstellerin Marti Webb (als Eva Braun) (voc).

KRAUT! ist ein feiner Krautrock-Querschnitt in vier Ausgaben, regional nach Regionen – Norden, Mitte, Süden und Berlin – sortiert, mit den größten Hits, viel längst vergessener Musik und den wichtigsten Songs.
Burghard Rausch

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(2011/SIREENA) 7 tracks
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