Who was/is Hans-Joachim Roedelius ? - CDs, Vinyl LPs, DVD and more

Hans-Joachim Roedelius

Er gilt als einer der dienstältesten Elektro-, Kraut- und Avantgardepioniere der elektronischen Musik, als einer der Begründer der zeitgenössischen populären elektronischen Musik und ist allerdings lediglich unter Genrekennern eine verdiente Ikone. Der "Nostalgiker der deutschen Elektronik" (MUSIK EXPRESS) blieb der Masse stets unbekannt und entrückt. Zusätzlich betätigte er sich von Beginn an immer wieder auch als Schrift- steller/Poet und im Bereich bildender Kunst als Fotograf und Filmer. Geboren wurde er am 26. Oktober 1934 im Westberliner Bezirk Friedenau in eine Zahnarzt-Familie und lebt seit 1978 im niederösterreichischen Baden, südlich von Wien. Als unfreiwilliges Mitglied der Hitler- Jugend hatte er als Kind kleinere Rollen in deutschen – damals auch nationalsozialistischen – Propaganda- Filmen. Roedelius und seine Mutter Gertrud wurden kurz vor Kriegsende aus Berlin in einen kleinen Ort nach Ostpreußen evakuiert. Nach dem Krieg wurde Hans-Joachim Soldat in der Nationalen Volksarmee, versuchte zu desertieren und aus der DDR auszureisen und saß dafür zwei Jahre im Gefängnis Bauzen.

Nach seiner Flucht 1961 nach Westberlin arbeitete er als Krankenpfleger und begann im Westen Werbung zu studieren. Die Zeit zwischen den Jahren 1963 und 1967 verbrachte er als Bauarbeiter, Kellner, Reiseleiter und Masseur auf Korsika. Bald darauf gab er seinen Job auf, um sich ganz der Musik zu widmen und lernte als Autodidakt Gitarre, Geige und Orgel zu spielen. 1968 gründete Roedelius eine Art Musik-Kommune namens Human Being, und baute mit dem Kon- zeptkünstler Conrad Schnitzler den Club "Zodiac Free Arts Lab" auf. Schnitzler und Roedelius hatten bereits vor der "Zodiac"-Zeit mit dem Duo Geräusche auf sich aufmerksam gemacht. Schnitzler lud dazu immer wieder andere Mitspieler zu improvisierten, vor allem aber beispiellos extrem lauten Konzerten ein. Schnitzler gründete im Herbst 1969 mit seinen Freunden Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius die Gruppe Kluster. Als Schnitzler bei Kluster ausgestiegen war, arbeiteten Roedelius und Moebius ab Anfang der 1970er sowohl als Duo (unter dem variierten Namen Cluster) als auch mit dem Neu!-Gitarristen Mi- chael Rother (unter dem Gruppennamen Harmonia).

Die Solokarriere von Roedelius begann mit sei- nem Solodebüt 'Durch die Wüste' (1978), das er gemeinsam mit Conny Plank bereits 1975/76 pro- duziert hatte. Bis auf einige wenige Begleitmusi- ker, wie Joso Christo (g, b), Plank (perc, g, syn) und seinem Cluster-Kollegen Moebius (syn), hatte Roedelius alles im Alleingang und größten- teils auf einem einfachen Zweispur-Tonband- Gerät aufgenommen. Im Gegensatz zu den fließenden Klangmustern der Cluster-Werke "kombinierte Roedelius holpernden Rock, schräge orientalische Harmonien, afrikanische Rhythmen, neoromantisch-impressionistische Klavierklimperei und konkrete Geräuscheinblendungen" (SOUNDS). "Ein buntes, ebenso rockendes wie psychedelisches Album mit positivem Unterton" (LAUT) und "sehr avantgardistischer Musik, die sich jeder Kategorisierung entzog, aber die Tradition fortsetzte, die bereits auf früheren Produktionen zu hören war" (TIME OUT). "Das Roedelius-Solo-Debüt war voller klassischer und bizarrer Schönheit, ungewohnter Arrangements und avantgardistischer Momente, einiges an Abwechslung, das alles garniert mit dezentem Humor" (BABYBLAUE SEITEN). Das zweite Roedelius-Album 'Jardin Au Fou' (1979) hatte ex-Tangerine Dream-Mit- glied Peter Baumann als Produzent im Westberli- ner Paragon-Studio auf- genommen, das ihm damals gehörte. Diese LP begründete den zukünftigen Stil von Roedelius: melodisches Klavier und akustische – im Zu- sammenspiel mit – elektronischen Instru- menten. "Prädikat 'lieblich': Hätte Bach diese Klaviermusik komponiert, wäre 'Jardin Au Fou' schon einmal um die Welt gewandert. Oder so: hätte Bach das komponiert, erklängen diese kleinen romantischen Lieder in TV-Spots für spie- lende Kinder und leckere Marmeladen. Roedelius hatte sich von den Konzepten einer Elektro-Avantgarde entfernt und spielte das Album mit Cello, Flöte, Gitarre und traditionellem Schlagzeug ein – die große Orgel nicht zu ver- gessen, die in der Kirche der süßen Melodien die Korken knallen ließ" (MUSIK EXPRESS).

Ebenfalls 1979 erschien mit 'Selbstportrait (Teil 1: Sanfte Musik)' das erste Album der 'Selbstportrait'-Trio- logie, gefolgt von 'Selbstportrait – Vol. II (Teil 2: Freundliche Musik)' und 'Selbstportrait Vol. III – Reise Durch Arcadien' (beide 1980). Bei diesem "musikalischen Tagebuch" (ROEDELIUS) hatte man "den Eindruck, daß diese Titel nicht komponiert waren. Vielmehr schienen sie aus Tasteninstrumenten, Bändern und Rhythmusmaschi- nen im Studio gewachsen – zumeist hübsche und zerbrechliche Stücke" (MELODY MAKER). 1980 veröffentlichte Roe- delius die MC 'Auf Leisen Sohlen' für das deutsche Musik-Cassetten-Label TRANSMITTER CASSETTEN, das im gleichen Jahr von Lutz Berger und Werner Pieper gegründet worden war und sich auf Esoterik und Medienexperimente spezialisiert hatte....

 

Burghard Rausch im Juni 2020

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