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Konstantin Wecker Ohne Warum

Ohne Warum
 
 
 
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Konstantin Wecker: Ohne Warum

München. 
Sie entstanden als der Winter München noch fest im Griff hatte. Doch die 15 Lieder auf der neuen CD von Konstantin Wecker wärmen wie der schönste Sommer. Wer die Stücke hört, begibt sich mit dem Münchner Liedermacher auf eine zarte, aufwühlende und bisweilen auch mystische Suche nach dem Wunderbaren. Und dies ganz "Ohne Warum", so der einprägsame Titel des neuen Werkes. "Mordnacht von Kundus", "An die Kinder", "Dass alles so vergänglich ist", "Auf der Suche nach dem Wunderbaren" oder auch eine Neubearbeitung des Volksliedes "Die Gedanken sind frei" tragen wieder die typische Handschrift des Musikers und Lyrikers und sind geprägt von Wut und Zärtlichkeit, Mystik und Widerstand.

 TRACKS: Disk 1 1. Ich habe einen Traum 2. Ohne Warum (sunder warumbe) 3. An meine Kinder 4. Novalis 5. Der Krieg 6. Die Mordnacht von Kundus 7. Fast ein Held 8. Dass alles so vergänglich ist 9. Die Gedanken sind frei 10. Eins mit Deinem Traum 11. Und dann 12. Auf der Suche nach dem Wunderbaren 13. Heiliger Tanz 14. Revolution 15. Willy 2015 (Zugabe) 16. Gefrorenes Licht (für Hans-Peter Dürr) (Zugabe) Disk 2 1. Fangt mi wirklich koaner auf (Live) 2. Einen braucht der Mensch zum Treten (Live) 3. Die weiße Rose (Live) 4. Was immer mir der Wind erzählt (Live) 5. Vom Weinstock und den Reben (Live) 6. Empört euch (Live) 7. Liebeslied im alten Stil (Live) 8. Für meinen Vater (Live)
 

Songs

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Artikeleigenschaften von Konstantin Wecker: Ohne Warum

  • Interpret: Konstantin Wecker

  • Albumtitel: Ohne Warum

  • Format CD
  • Genre Schlager und Volksmusik

  • Title Ohne Warum
  • Release date 2015
  • Label Sturm & Klang

  • SubGenre Miscellaneous - General

  • EAN: 4042564158809

  • weight in Kg 0.100
 
 

Artist description "Wecker, Konstantin"

Konstantin Wecker 

Zwischenräume 

Geboren in zwar knappen Zeiten aber keine Komplikationen im Mutterleib. Kein Kaiserschnitt, nichts was den Ausgang versperrt hätte nichts Aufregendes diese Geburt: Farblose Laken und eine Hebamme mit Raucherbein. Wär gerne am Amazonas zwischen zwei Regenzeitenin die Welt geglittenoder in einer Waschkücheheimlich als Makel einer zwölfjährigen Mutteroder in einem Luftschutzkellerunter den Trompetensalven der Bomben -hätte gerne mehr Action gehabt bei meiner Geburt.Versuche dies nachzuholen.

 

Noch heute spricht Konstantin Wecker diesen Text, vorwiegend in Solokonzerten. Einen Lacher holt er sich damit oder einen Schmunzler, und doch hätte - ganz im Ernst - dieses mehr Action sicher besser zu Konstantins Geburt gepaßt. Denn energiegeladen ist er von Anfang an, extrovertiert und musikalisch, so berichtet Mutter Dorothea, oder jedenfalls rhythmisch begabt - schon als Kleinkind. "Was drin ist, muß raus"1), sagt Wecker in einem Interview mit Bernd Schroeder 1981 - Freude, Trauer, Aggression.

Konstantins Vater Alexander Wecker war Tenor, Maler, Autor - kurz: eine rundum künstlerische Persönlichkeit. Bereits dessen Vater war Sänger. Die Kunst war für Alexander Wecker kein Beruf, sondern Lebensentwurf, etwas Notwendiges, um diese Welt überhaupt auszuhalten. Sie war Hingabe. Sie war Schönheit und innerer Halt - ein Ausgleich zur häßlichen Wirklichkeit. Aber: Alexander Wecker war introvertiert, machte wenig Worte (wenn aber, dann waren sie von Belang, und Konstantin kann sie heute noch zitieren). Jener andere Künstlertypus eben, der nicht alles nach außen trägt, sondern der heimlich sich Erbauende, der Stille, Schüchterne. So erfreut sein leidenschaftlicher Tenor im Stile eines Jussi Björling oft genug den Familienkreis, erreicht aber kaum die Bühne. Dieses partout Nicht-Auftreten-Wollen sei seiner Weltkarriere abträglich gewesen, stellt Konstantin lakonisch fest. Erfolgreicher wird Alexander Wecker als Kunstmaler der Münchner Szene. Er stellt aus, lehrt später an der Münchner Kunstakademie. Ein Akademiker wird er dennoch nicht. Möbliert sein Atelier in der Adalbertstraße mit eigenen, aber auch mit Bildern seiner Lieblingsmaler und baut sich so einen Schutzwall gegen die Anfeindungen der Außenwelt.

 

An vielen Stellen kann man lesen, Konstantin entstamme einer Künstlerfamilie - doch ist dies mit Blick auf seine Mutter Dorothea (geb. Goebel) nur halb richtig. Biedere Beamte und Angestellte finden sich hier in der Ahnengalerie. Dorothea selbst ist nach dem Krieg Beamtenanwärterin bei der Stadt München, gibt diesen Job nach Konstantins Geburt auf. Und doch ist Dorle - so der allgemein gebräuchliche Spitzname von Konstantins Mutter - gleichsam Konstantins Muse der frühen Jahre. Sie fördert sein musikalisches und vor allem sein lyrisches Talent, liest ihm Gedichte vor, Goethe, Rilke, Eichendorff, animiert ihn, Eigenes zu formulieren. Ihre Erziehung - von seiten des Vaters kann man von Erziehung kaum sprechen - ist streng, doch stets um Gerechtigkeit bemüht. Und vor allem: Sie vermeidet - trotz großen Mutterehrgeizes - den Ausverkauf des Talentes an die Medien (wie ihn etwa Heintje Ende der 60er Jahre erlebt). Konstantins Knabensopran ist genauso rein und glockenhell 

Konstantin darf sich austoben, genießt unbeschwerte Kinderjahre und erwirbt sich so einen Schatz, der ihn später, in der harten Zeit des Drogenentzugs, retten soll. Das klingt pathetisch und ist doch die pure Wahrheit. Das unerschütterliche Fundament, auf das Konstantins Leben gebaut ist, beschreibt er selbst so: "Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, dann bestand sie nur aus Sommer. ... Meine Kindheit ist Isar, Sonne und ein nie enden wollender Tag."2) Später verarbeitet Konstantin dieses Gefühl in dem Lied Das ganze schrecklich schöne Leben und findet das treffende Bild des vor lauter Lebenwollen nicht Schlafenkönnens.

Doch noch ist das Thema Dorle Wecker nicht abgehandelt (und wird in Konstantins Leben wohl nie abgehandelt sein). Das Verhältnis Dorle/Konstantin ist ein unzertrennliches, trotz aller Brüche unverbrüchliches, ewiges. Förderin ist sie, unbedingte Stütze seines Talents, das wurde bereits gesagt; doch ist sie auch beißende Kritikerin, nicht nur, was Konstantins schöpferische Ergebnisse betrifft, sondern auch mit Blick auf Lebensführung, Einstellungen, erste Freundinnen. Sie will Kontrolle, ja Macht, will durch Konstantin verwirklicht sehen, was ihr selbst verwehrt geblieben. Konstantin, der Übersohn, kann an ihr, der Übermutter, nichts vorbeimogeln, sie ist - O-Ton Dorle Wecker – "sein permanentes schlechtes Gewissen." Und das gilt nicht nur für die Kindes-, die Jugendzeit. Dies gilt auch, als Konstantin schon längst erwachsen, schon längst etabliert ist in der aufstrebenden Liedermacher-Szene. Noch im Alter von 42 Jahren gesteht Konstantin: "Meine Mutter hat immer noch sehr viel Macht über mich."3) Und Konstantin formuliert genau, sagt nicht "Einfluß", sagt nicht "...ist mir wichtig" oder "unersetzlich." In jedem auch nur irgendwie erreichbaren Konzert - München, Salzburg, Wien, Berlin - sitzt Dorle in der ersten Reihe, läßt sich zum 100., zum 1000. Mal berauschen, findet aber auch - adleräugig, scharfzüngig - zum 1000. Mal den Mut zum offenen Wort.

Conclusio: Konstantin hat unter seiner Mutter sicherlich oft gelitten, seine Liebe aber war größer. Die bedingungslose Mutterliebe ihrem Kind gegenüber ist psychologisch hinlänglich bekannt und hier - mit Blick auf (das Einzelkind) Konstantin - besonders stark ausgeprägt. Doch kommt im vorliegenden Fall das - seltener anzutreffende - Gegenstück hinzu: Die unbedingte Liebe des Sohnes zur Mutter, das liebevolle Verstehen ihres Handelns und Sprechens. Das Erkennen einer allumfassenden Güte, die hinter mancher Härte steht 

Diese allumfassende Güte hat Konstantin geprägt. 

Auszug aus dem Booklet BCD 16063 - Konstantin Wecker Zwischenräume (7CD & 1DVD mit 160-seitigem gebundenem Buch in LP-Grösse)
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